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 Il nostro Libro

 

Es gibt ja viele Dynastien auf der ganzen Welt, die bekanntesten wohl der Dallas- und der Denverclan. Diese beiden Soap-Serien habe ich im Fernsehen nur einmal angeschaut, welch ein Graus. Unser käsiger Dräyer-Clan hingegen ist viel übersichtlicher, wir sind einfache und ehrliche Leute, die zu allen Menschen nett sind. Wir beginnen bei meinem lieben Grossvater. Stellt euch vor, dieser liebenswürdige Mann wurde von Jung und Alt, von Arm und Reich als „dr Baba“ genannt. Er war der Grossvater und Respektsperson für alle. Wo Rat und Tat, Not und Leid auftauchte, Baba hatte für alle Zeit, um mit vielen Ideen zu helfen oder zu schlichten. Seine Körpergrösse von 1.60m machte niemandem Angst, aber seine Masse früher als Hornusser, Kranzschwinger und Käsermeister von 134kg machten ihn fast kugelrund, aber sehr sympathisch. Für mich und meine Cousins war der Baba zum knuddeln da, und wir durften auf seinem Bauch Trampolin springen bis es uns ab dem hohen Sofa auf den harten Boden knallte. Er war während 35 Jahren Käsermeister bei der Käserei-Genossenschaft Egolzwil im luzernischen Wauwiler – Moos und ein sehr angesehener und beliebter Eidgenosse. Die zweite Generation ist dessen meines Vaters. Aufgewachsen mit 6 Geschwistern beim „Baba“ und seiner lieben und hilfsbereiten Frau Hanni. Hunger mussten die Kinder in den schweren Zeiten nie haben, da gab’s doch in der Käserei viel Käse, Rahm und Butter und im Wauwiler – Moos warteten noch Millionen von Fröschen, die von den Kindern gejagt wurden. Buon appetito! Nach der schönen Kinderstube wurde aus meinem Vater natürlich auch ein Käsermeister geschmiedet und mit dem anschliessenden abgeschlossenen Handelsschul-Diplom, durfte mein Vater zur Käseexportfirma Farner + Co. in Langenthal als Käseeinkäufer seine Karriere starten. Auch mein Vater steht dem Baba in keiner Art und Weise zurück, ausser er ist ein paar Zentimeter grösser und in Sachen Gewicht kann er heute mit seinen 83 Lenzen eigentlich ganz zufrieden sein, klar ist aber auch, bei den Dräyer’s gibt‘s halt immer ein kleines Bäuchlein. So, nun kommen wir zu mir. Zuerst durfte meine Schwester Ruth das Licht der Welt erblicken. Aber dann wurde die dritte Käsegeneration am 27. April 1961 geboren. Ich durfte ab 3 Jahren immer meinen Vater begleiten, um die Käse in den Käsereien einzukaufen und deren Qualität zu beurteilen. Ja, manchmal durfte auch ich die Käse klopfen, hingegen das mit dem „Böhrlig“ fehlte mir noch die Kraft, dafür durfte ich aber das Gewicht sämtlicher Emmentaler-Laibe ins Rapport-Heft eintragen und dann die Gewichte der ganzen Monatspartie zusammenzählen und das Resultat mit den anderen Anwesenden vergleichen. Meistens stimmte es und wenn nicht wurde nachkontrolliert, bis eben der Fehler rausgefunden wurde. An mir lag‘s aber nicht! Ja diese auserlesenen Anwesenden waren die wichtigsten vom Dorf, die beim Monatskäseeinkauf immer dabei waren. Natürlich war da der Käsermeister von der Käserei, der hoffte, dass er eine Top-Qualität gekäst hat, der Präsident der Käsereigenossenschaft der hoffte, dank dem guten Käse einen guten Preis zu erhalten, der Gemeindepräsident freute sich über das Käse degustieren der Böhrlig, der Pfarrer freute sich auf das Mittagessen und ich auf Meringue mit Doppelrahm zum Dessert. Ach war das ein Highlight! Ich wurde von allen immer als Jürgli benannt, ist ja klar mit 3 Jahren kann ich ja dem Baba und meinem Vater noch nicht nacheifern, und als sie mich fragten, ja was ich den gerne später für einen Beruf ausüben möchte, antwortete ich immer spontan, „also entweder Fussballprofi oder Käser“.

 

Immer bei dieser Antwort hallte das laute Lachen durch den Käseausreifungskeller, und ich lachte mit. Doch das war kein Witz. Folglich trainierte ich Tag und Nacht bis das Talent reichlich vorhanden war, aber irgendwie wurde mein Talent komischerweise nicht entdeckt, oder meine Eltern wollten eben keinen Fussballprofi, sondern einen Käser. Als Zwischenstation bildete ich mich zum Eidg. diplomierten Kaufmann aus, und dann begann ich meine Käserlehre in Aesch (LU) in einer Emmentaler-Käserei. Trotz meinen knapp 20 Jahren als sportlicher Typ, war der erste Lehrtag sehr happig. Die zu tragenden Gewichte in der Käsereiproduktion, die gingen ja noch, aber am Nachmittag, als ich von Hand die rund 90kg schweren Emmentaler von Hand kehrte, wurde mir schon nach dem achten Laib schwarz vor den Augen. Also ging ich schnell in die Küche, trank einen ½ Liter bester Milch mit Ovo und siehe da, alles ging fast wie von alleine. Die Abschlussprüfung durfte ich in der Versuchskäserei Uettligen (BE) mit Bravour absolvieren, die übrigens der Forschungsanstalt Liebefeld angesiedelt ist. Somit war auch die dritte Generation Käser. Doch damit nicht genug. Mir wurde empfohlen seistens der Firma Farner + Co. langjährig berufsbegleitende Ausbildungen im Ausland zu absolvieren, sei es im Einkauf, Verkauf, Veredelung von Käse und nicht zuletzt die Sprache nur mündlich zu erlernen, sondern auch die Grammatik an der Universität Sorbonne zu vertiefen. 2 ½ Jahre war ich in Paris und Dijon und habe extrem viel lernen dürfen. Es war eine perfekte, wunderschöne, erlebnis- und erfolgreiche Zeit. Dann ging’s direkt für 6 Monate nach Perugia, um an der „Università per gli Stranieri“ einen intensiv Italienischkurs zu belegen. Hier merkte ich, dass nicht nur die Franzosen, sondern auch die Italiener viel zu bieten haben. Also durfte ich mehr als ein Jahr bei einem Käse- und Fleischgrossisten namens Fratelli Trentin in der Nähe von Verona arbeiten und meine Erfahrungen erweitern. Diese gesamthaften 4 ½ Jahre Auslandsaufenthalte verdanke ich meinem Vater Eugen, denn ohne seinem Sponsoring wären diese Ausbildungen nicht machbar gewesen. Lieber Dädi, an dieser Stelle nochmals einen ganz, ganz lieben und herzlichen Dank. Damit hast Du mir die Möglichkeit gegeben eine gute Arbeitsstelle zu ergattern. Es wäre natürlich auch schön gewesen, wenn mein Mami das Alles hätte miterleben dürfen, aber leider hat sie uns mit jungen 50 Jahren verlassen müssen. Übrigens mein Mami war eine super Frau, lieb und nicht zu streng und ich lernte viel von ihr, übrigens auch das Kochen. Nun war’s an der Zeit in mein Heimatland zurückzukehren. Die erste richtige Arbeitsstelle suchte ich von Italien aus. Es war gar nicht so einfach, aber unser lieber Freund Hansruedi Graf hatte innert kürzester Zeit ein Vorstellungsgespräch bei der Laiteries Réunies in Plan-les-Ouates (GE) organisieren können. Die Kaderstelle war aber noch besetzt und mit der Verbindung von der LRG wurde ich in eine gewisse CETRA ASSET-LINE SA in Lugano vermittelt. Geplant war eigentlich 1 Jahr und dass ich nachher bei der LRG beginne zu arbeiten. Aber es kam anders…